Warum Blogbeiträge so lang sind: 5 gute Gründe und ein Appell für mehr Liebe

31. Januar 2024

Storytime, würde man jetzt vielleicht bei YouTube sagen. Tatsächlich möchte ich mal einen Blick hinter die Kulissen eines Foodblogs erlauben – und auch ein wenig meinem Ärger Luft machen. So wie in guten alten Zeiten, als Blogger mehr ihre Gedanken geteilt haben und Leser nicht nur konsumiert, sondern auch kommentiert haben. Denn neulich habe ich eine Twitterperle gelesen, die mich geärgert hat. Twitterperlen kennst du? Das ist eine Sammlung witziger Tweets, die auch Menschen außerhalb dieser Plattform, die heute X heißt und mit der ich nie warm geworden bin, an dem mal mehr und mal wengier geistreichen Austausch dort teilhaben lässt. Oft sind die Tweets witzig, manchmal auch nachdenklich. Doch dieser Beitrag war nur auf den ersten Blick witzig:

Ich bin nicht die Mareike, die Max da anspricht, sondern Isabelle. Doch ich kann gut verstehen, warum die Mareikes dieser Welt ihren Beitrag zu Zimtschnecken etwas ausführlicher gestalten. Vielleicht bin ich in diesem Sinne eine Mareike. Es ist verständlich, warum manch ein Leser sich einen Fokus aufs Wesentliche wünscht: Wir haben immer weniger Zeit, weniger Nerven, aber genauso viel Hunger. Aber verstehen Leser auch, warum Foodblogger so handeln? Ein Erklärungsversuch mit fünfmal Blick hinter die Kulissen.

1. Weil Google längere Beiträge liebt

Egal was man von Google halten mag: Es ist die mit Abstand verbreitetste und am meisten genutzte Internet-Suchmaschine, weit vor Ecosia und anderen Alternativen. Google regiert die Internetwelt und wer mit seinen Beiträgen und Rezepten jemanden erreichen möchte, sollte die Suchmaschine glücklich machen. Was die Suchmaschine mag, weiß keiner so ganz genau und das ändert sich auch immer wieder ein wenig. Eine schnelle Google-Suche (natürlich) ergibt:

Ein Blogbeitrag sollte mindestens 300 Wörter enthalten, um überhaupt zu ranken. … Längere Posts mit mehr als 1.000 Wörtern haben eine höhere Chance auf eine gute Rankingposition.

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Schließlich will die Suchmaschine wissen, worum es in dem Beitrag geht. Deshalb hilft es auch, immer wieder das Schlagwort Zimtschnecken zu erwähnen – aber natürlich auch nicht so oft und nicht ausschließlich. Es ist kompliziert. Aber klar ist: Ein paar Sätze reichen nicht.

2. Weil es Aufmerksamkeit bringt

Influencer stehen immer wieder in der Kritik, teils auch zu Recht. Doch das Prinzip kannten schon unsere Eltern und Großeltern. Auch sie haben Rezepte ausprobiert, die ihnen eine Freundin, ein Nachbar oder ein Kochbuch empfohlen hat. Foodblogs übersetzen dieses Prinzip in die Online-Welt. Denn auch wenn die Texte ausführlicher und die Bilder professioneller geworden sind – letzten Endes steckt hinter vielen Foodblogs ein Mensch, der dir sagt: Probier das aus, das schmeckt mega gut!

Im besten Fall erfährt man danach auch, wie gut es wirklich geschmeckt hat. So ist es die größte Freude, wenn eine befreundete Kollegin mir erzählt, dass die Linsen-Pasta mit Salsiccia inzwischen ihr Lieblingsessen ist, dicht gefolgt von Sac. Oder wenn meine Nachbarin beiläufig erwähnt, dass sie das Banoffee-Dessert an Weihnachten sogar für ihre Familie und die ihres besten Freundes vorbereitet hat – und alle begeistert waren. Doch Hand aufs Herz: Wann hast du das letzte Mal einen Kommentar hinterlassen? Oder eine 5-Sterne-Bewertung?

3. Weil es Geld bringt

Nun kommen wir doch noch zum wahren Grund, mögen missgünstige Menschen meinen. Denn natürlich geht es bei einem optimierten Blogbeitrag auch um Geld. Wertschätzung ist die eine Währung für geleistete Arbeit, Geld die andere. Tatsächlich steckt sehr viel Arbeit in so einem Blog, egal ob man damit ein paar hundert oder zehntausende Menschen erreicht. Rezepte müssen entwickelt und getestet, Fotos gemacht und bearbeitet werden. Und der viel zu lange Beitrag, den Google mag, muss auch noch geschrieben werden.

Ein Beispiel: Die Schoko-Karamelltarte habe ich vier Mal gebacken und zwei Mal fotografiert, ehe sie für mich perfekt war. Allein die Zubereitungszeit entspricht einem kompletten Arbeitstag – ohne Fotos, ohne Text. In jedem Blogbeitrag stecken also viele Stunden Arbeit.

Dabei darf man nicht vergessen: Bloggen kostet auch Geld. Das fängt beim Hosting-Vertrag an, damit Menschen auf die Seite zugreifen können, und reicht über das, was man auf den Bildern sieht, bis zu dem, womit man die Bilder macht.

Warum „Aber es ist doch dein Hobby“ kein Argument ist

Natürlich suchen Foodblogger sich diese Arbeit aus und machen sie im besten Fall gerne. Ich persönlich sehe es als einen tollen Prozess, mich beim Kochen/Backen, Fotografieren und Schreiben weiterzuentwickeln. Wie groß die Entwicklung ist, wird vor allem beim Blick auf ältere Beiträge deutlich. Das heißt aber nicht, dass es nicht anstrengend ist, dass es keine Arbeit ist. Oder würdest du sagen, dass ein Tierpfleger umsonst arbeiten sollte, weil er gerne mit Tieren zusammen ist?

Der Blog als Business: Wo das Geld herkommt

In der Regel werden nicht die Leser zur Kasse gebeten, um die Arbeit eines Foodbloggers zu entlohnen. Nein, Leser erhalten all die Informationen, die man über die Jahre erarbeitet hat, kostenlos an den Bildschirm gereicht. Es gibt zahlreiche andere Lösungen, wie Blogger etwas profitieren können: in Form von Werbung.

  • Bei Kooperationen arbeitet ein Blogger mit einer Firma zusammen und stellt dafür anschließend eine Rechnung. Meist wird dann ein Produkt getestet und in Szene gesetzt. Wie das aussehen kann, siehst du beim Rezept für Naan-Brot.
  • Bei Affiliate-Links erhält ein Blogger eine kleine Provision dafür, dass ein Leser einem Link folgt und auf der Seite etwas kauft. Meist sind Affiliate-Links mit einem Sternchen markiert, das zeigt: Für dich als Leser kostet das Produkt genauso viel wie sonst, aber der Blogger bekommt ein paar Cent davon ab. Meist führen Affiliate-Links zu Amazon*, es gibt jedoch diverse Plattformen und Netzwerke dafür. Mein Beitrag mit Don Carne funktioniert beispielsweise nach diesem Prinzip: Wenn du von dem Lamm-Rezept genauso begeistert bist wie ich und bei Don Carne bestellst*, erhalte ich einen kleinen Anteil – und freue mich darüber!
  • Bei Google AdSense und anderen Werbenetzwerken werden Anzeigentafeln auf der Internetseite ausgespielt und je mehr Menschen diese sehen, desto mehr Geld bekommt der Blogger überwiesen.

4. Weil nicht jeder Nutzer alles weiß

Es gibt auch sehr praktische Gründe, warum der Weg zum Rezept etwas länger dauert: Weil der Foodblogger sich viel Zeit nimmt, um das Rezept möglichst gut zu erklären. Das ist ein Learning aus über zehn Jahren des Bloggens: Je genauer man die Zubereitung beschreibt, desto weniger Ärger hat man später.

Wenn auf Foodblogs ein Kommentar ankommt, dann sind es manchmal auch Nachfragen: Was für Kakao ist gemeint? Was mache ich mit der anderen Hälfte der Pekannüsse? Wie kann ich es für meine kleinere/größere Backform umrechnen? Das sind drei von zig möglichen Fragen. Manche Dinge wären für mich völlig selbstverständlich: Backkakao natürlich, den gezuckerten nimmt man nur für die heiße Schoki. Bei anderen muss ich mir danach eingestehen: Das kann man auch anders sehen.

Deshalb gibt es auf der Seite „Über mich“ ein paar grundlegende Worte und deshalb achte ich bei Beiträgen immer mehr darauf, das sie möglichst ohne Vorwissen funktionieren. Das kann langweilig sein für diejenigen, die Vorwissen haben. Aber: Damit Rezepte gelingen können, muss man sie gut nachvollziehen können. Und die Lachs-Bowl spricht hoffentlich genauso Koch-Anfänger an wie Fortgeschrittene, die einfach ein extrem leckeres Abendessen suchen.

Früher ist es mir manchmal weniger gut gelungen, ein Rezept richtig gut festzuhalten. Deshalb aktualisiere ich Blogbeiträge regelmäßig und schaue mir an, ob die Texte verständlich genug sind und ob ich die Bilder nicht erneuern möchte. Das ist weitere Arbeit, doch gehört zum Service.

5. Weil sie es so wollen: Mein Blog, meine Party

Was wir bei all der Optimierung für Suchmaschinen nicht vergessen sollten: Hinter jedem Blog steckt ein Mensch. Wenn Mareike erzählen möchte, warum der Duft von Zimtschnecken sie an ihre Oma erinnert, dann darf sie das. Es ist ihr Blog, es ist ihre Party. Und manche mögen die Beschreibung der Zimtschnecken-Momente vielleicht sogar und probieren das Rezept deshalb eher aus.

So hat das alles übrigens mal angefangen: Menschen haben sich ihre eigene kleine Nische im Internet eingerichtet, um eine Plattform zu haben für das, was sie beschäftigt. Deshalb findest du, wenn du hier ein wenig zurückblätterst, beispielsweise schlicht ein paar (wunderschöne!) Bilder von der Blumeninsel Mainau.

Die Lösung: Einfach die Abkürzung nehmen

Die gute Nachricht ganz zum Schluss: Keiner muss sich durch lange Blogbeiträge kämpfen. Denn viele Foodblogger haben einen Button eingefügt, mit dem man direkt zum Rezept springen kann. Ein Klick genügt. Da haben die Maxe dieser Welt dann auf einen Blick, was sie brauchen, um die besten Bratkartoffeln oder Semmelknödel aus Toastbrot zu kochen.

Aber dann beschwer dich bitte nicht, wenn du ein Detail im übersichtlichen Rezept nicht erklärt findest. Denn das wird in vielen Fällen in all dem Text davor ausführlich geschildert. Damit der Text die nötige Länge hat. Der Beitrag eine Chance auf Aufmerksamkeit hat. Und jeder Leser die nötigen Infos findet, um das Rezept auch auszuprobieren.

Und jetzt? Wie wäre es mit ein bisschen mehr Liebe!

Daher mein Appell: Ihr könnt all die Beiträge und die Liebe, die darin steckt, haben. Ihr könnt auch über den „Direkt zum Rezept“-Button abkürzen. Aber bitte denkt auch an den Foodblogger, der viel Herz und Arbeit in so einen Beitrag steckt.

Keine unnötige Kritik wäre ein Anfang. Konstruktive Kritik wäre noch besser – denn wenn jemand eine Ein- oder Zwei-Sterne-Bewertung vergibt, schmerzt das. Und ich würde nur zu gerne verstehen, woran es lag: Trifft es den persönlichen Geschmack einfach nicht oder stimmt etwas mit dem Rezept nicht, was ich verbessern sollte?

Bisschen mehr Wertschätzung wäre ein Träumchen. Schließlich inspirieren die Mareikes dieser Welt dich zu leckerem Essen auf deinem Teller und sagen auch, wenn etwas nicht empfehlenswert ist. Daher gibt es für jeden Kommentar und jede (konstruktive) Bewertung zu einem Rezept eine virtuelle Umarmung. Von Mareike an Max. Von mir zu dir.

PS: Diese Twitterperle wiederum fand ich sehr unterhaltsam:

PPS: Im Nachhinein ist auch mir aufgefallen, dass Max‘ Tweet über Foodblogs schon paar Tage älter ist. Als Twitterperle wurde er erst neulich präsentiert und das Thema bleibt aktuell.

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Hinter den Kulissen
Über mich

Hallo, ich bin Isabelle, 33 Jahre alt und lebe in Konstanz am schönen Bodensee. Auf meinem Blog ÜberSee-Mädchen.de zeige ich vor allem einfache Rezepte für leckeres Essen. Meine Kochkarriere begann mit der Sehnsucht nach Heimatküche wie Grießklöschensuppe oder schwäbischen Wurstspätzle. Seitdem habe ich viele Stunden in der Küche verbracht und allerlei Köstlichkeiten ausprobiert. Sieh dich ein wenig um und lass es dir schmecken.

2 Kommentare

  1. Liebe Isabelle,
    solche Posts sehe ich auch immer wieder und mich nerven sie auch – obwohl mein Blog klein ist und nicht nur Rezepte bietet. Ich glaube, dass viele Leser denken, dass das ja jeder einfach machen kann. Paar Zutaten zusammen, bisschen Foto, fertig. Dass es gerade in den dunkleren Wintermonaten viel Organisation braucht, um noch ein halbwegs gutes Bild neben dem Tagesjob hinzukriegen, sieht niemand. Und nur ein Rezept ins Internet zu klatschen, ist doch irgendwie lieblos. Durch diese Gratis-Mentalität sind viele aber auch zu geizig, um ein Kochbuch ohne Story aus Omas Küche zu kaufen. Kurios.
    Danke für Deinen tollen Beitrag und Deine Einblicke!
    Liebe Grüße
    Carina

    1. Danke dir für deinen Kommentar und schön, dass ich mit dieser Meinung nicht alleine bin <3 Denn da steckt so viel Aufwand dahinter... immer mal wieder frage ich mich, wofür ich das mache, aber es macht halt doch sehr viel Spaß. Und ich mag auch, die Entwicklung zu sehen und zu erleben. Liebe Grüße vom Bodensee

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