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Urlaub in Deutschland: Ab nach Dresden! Tipps für zwei Tage

Das mit dem Urlaub ist in diesem Jahr ja so eine Sache: Flüge waren wegen des Coronavirus zwischenzeitig nicht möglich und sind weiterhin eingeschränkt, die Planung ist mehr als erschwert. Eigentlich wäre ich an diesem Wochenende ja auf einem Festival gewesen, hätte meinen Lieblingskünstlern gelauscht und die beste Zeit mit meiner besten Freundin gehabt. Da das schon ausfiel, sollte es wenigstens für ein paar Tage weggehen. Urlaub in Deutschland war angesagt, doch wohin? Der Bodensee ist nur wenige Meter entfernt und eine wunderschöne Urlaubsregion (meine Überlingen-Tipps mit allem Wichtigem findest du hier), doch wir wollten Abwechslung. Und weil Gerüchte über geschlossene Ostsee-Strände zu lesen waren, ging es nach Dresden. Da war ich zuvor nämlich noch nie. Und das ist schade, denn es ist so schön dort!

Für einen von uns bedeutet Sachsen auch Heimat, was einen riesigen Vorteil bedeutete: Wer könnte Dresden und Sachsen besser zeigen als ein Einheimischer? Eben. Deshalb teile ich unsere Erfahrungen und Tipps zu zwei Tagen in Dresden – mit Sehenswürdigkeiten, Kultur, leckerem Essen und der besten Eierschecke.

Dresden entdecken mit Tipps eines Einheimischen für Urlaub in Deutschland Travel-Guide von ÜberSee-Mädchen Foodblog vom Bodensee

Short facts zu Dresden: Anreise, Übernachtung und Infos

  • Wie komme ich am besten nach Dresden? Die Qual der Wahl zwischen Bus, Bahn, Auto und Flugzeug. Wir sind – auch Corona-bedingt – mit dem Auto angereist, alternativ hätte ich auf Bus oder Bahn gesetzt. Der Dresdner Flughafen ist zwar nur rund 40 Minuten von der Altstadt entfernt, hat aber leider keine sonderlich attraktiven Verbindungen. Das gilt zumindest für die Verbindungen gen Süden. Tipp: Statt auf teure Parkhäuser für 14 Euro pro Tag haben wir auf Seitenstraßen gesetzt. Dort kann man für sechs Euro am Tag parken, sonntags kostet es nur drei Euro.
  • Wo übernachte ich am besten in Dresden? Wir haben im Motel One am Zwinger übernachtet und waren zufrieden – die Zimmer sind gewohnt praktisch, die Lage war perfekt. Das Frühstück jedoch ist nicht besonders empfehlenswert und in direkter Nähe gibt es einige gute Bäcker.
  • Wo gehe ich in Dresden shoppen? Die Prager Straße ist die Haupt-Einkaufsstraße mit den üblichen Verdächtigen und tollen Läden wie einem Globetrotter (neu entdeckt für den nächsten Ausflug) oder Søstrene Grene (was es hier im Süden leider erst in Stuttgart gibt). Außerdem gibt es Einkaufszentren wie die Altmarkt-Galerie, in der es auch Lebensmittelgeschäfte wie einen Rewe oder Aldi sowie Drogerien gibt.
  • Wie informiere ich mich am besten über Dresden? Eine Stadtführung hat uns die wichtigsten Stationen der Altstadt gezeigt und ein wenig erklärt, wie diese vor und nach dem Zweiten Weltkrieg aussah. Die historische Altstadt wurde bei einem Bombenangriff fast völlig zerstört, viele Spuren davon waren noch Jahrzehnte nach Kriegsende zu sehen. Noch in den 90er-Jahren stapelten sich die Steine der Frauenkirche auf dem Neumarkt, wo heute schicke Hotels sind. Die Neubauten wirken historisch, sind es aber nicht. Um solche Details zu erfahren, mag ich eine Stadtführung. Es gibt diverse Angebote, wir haben zum Beispiel auch einige Nachtwächter-Führungen beobachtet. Die Touristinfo hat einen guten Überblick und hilft auch bei Fragen. Ich hatte ein falsches Datum gewählt und es war gar kein Problem, das umzubuchen. Unverzichtbar scheint übrigens Sekt zu sein: Den gab es bei fast jeder Führung dazu.

Tag 1: Die Altstadt Dresdens entdecken

Mit einem Einheimischen an der Seite habe ich mich nicht extra vorbereitet und auf schönste Weise von Dresden überraschen lassen. Dabei gab es nur wenige Sehenswürdigkeiten, die ich auf meiner Liste hatte. Die Frauenkirche gehörte dazu.

Zweifellos ist die Frauenkirche mit dem umgebenden Neumarkt eine der Sehenswürdigkeiten in Dresden. Die protestantische Kuppelkirche stürzte nach dem Bombenangriff 1945 zusammen. Das geschah nicht wegen der Bomben selbst, sondern weil die Sandsteine bei der Hitze instabil wurden und einige Stunden später die Kuppel nicht mehr tragen konnten. Davon ist heute wenig zu sehen, seit 2005 strahlt die Kirche in neuem Glanz. Der helle Sandstein ist hier und da von alten, dunkleren Steinen durchzogen, denn Teile der einstigen Ruine wurden wiederverwendet. Der Eintritt in die Frauenkirche ist übrigens kostenlos und auch wenn die Schlange lang wirkte, waren wir recht schnell drin. So konnten wir uns den mehrgeschossigen Bau, der auch auf Konzerte ausgelegt ist und fast an eine Oper erinnert, von innen ansehen. Die Schlange für eine Kuppelbesteigung war länger, dieses Angebot kostet für Erwachsene acht Euro.

Beim umgebenden Neumarkt gibt es einige Gebäude, die nach historischem Vorbild neu gebaut wurden – es wirkt fast unwirklich schön wie eine ideale Stadt. Allerdings auch eine etwas tote Stadt, wie ein Nachtspaziergang zeigt, denn hinter vielen Fenstern brennt kein Licht. Schade, wenn das urbane Leben verloren geht. Doch das gibt es ja an anderer Stelle. Und im Sommer lässt es sich zu jeder Zeit schön auf dem Neumarkt sitzen: Die Burgerei ist empfehlenswert und bietet beispielsweise mit drei Mini-Burgern eine Europa-Tour – besonders der Italiener mit Nusspesto und Blauschimmelkäse-Sauce ist so gut!

Fürstenzug, Schloss, Hofkirche und Semperoper zeugen von viel Geschichte

Vorbei am Fürstenzug, der auf Meissner Porzellan festgehalten ist, geht es in den Stallhof. Unsere Stadtführerin war ganz begeistert von dem ungeahnten Rückzugsort inmitten der Stadt, der in dieser Form wohl einzigartig ist. Hier fanden früher Turniere statt, heute erinnern noch originale Masten mitten auf dem Platz daran. Das anschließende Dresdner Schloss ist riesig und schwer zu fassen, beim nächsten Besuch möchte ich mir darin noch die Museen ansehen. Für mich war nämlich klar, welches Museum ich unbedingt sehen muss: Die alten Meister im Zwinger.

Auf dem Weg dahin kommt man noch an der Hofkirche vorbei mit ihren 78 Heiligenfiguren (katholisch übrigens in einer protestantischen Stadt!, weil der Mächtige zum König von Polen werden wollte). Eine beeindruckende Kirche, die derzeit saniert wird und deshalb nur bei einem Gottesdienst zugänglich ist. Die Semperoper nebenan ist übrigens ähnlich beeindruckend, wird aber derzeit ebenfalls saniert. Aber ein unbeeinträchtigtes Bild der Oper dürfte jedermann aus der Fernsehwerbung bekannt sein, oder?

Shopping-Tipp für Keksfans: Eines der wenigen Souvenirs, die ich mir aus Dresden mitgenommen habe, sind Kekse. Mandel-Gewürz-Sables, um genau zu sein. Bei unseren Wegen durch die Altstadt sind wir mehrfach zufällig an der Sporergasse vorbei gekommen und haben dann einmal absichtlich Halt gemacht. Es roch einfach zu verführerisch. Denn die KeXerei hat sich auf Kekse aller Art spezialisiert, es gibt sogar herzhafte Varianten. Manche Kekse erinnern an Weihnachten, die meisten lasse ich mir gerne das ganze Jahr über schmecken. Falls du Cookies bis zum nächsten Dresden-Besuch selbst machen möchtest: Ich habe da ein paar Rezepte.

Die alten Meister im Zwinger: Ein erster Stop in der Kulturstadt

Der Zwinger ist historisch der Bereich zwischen zwei Wehrmauern, der die Stadtmauern bei einem feindlichen Angriff unterstützen sollte. Heute ist es eine Anlage aus historisch anmutenden Gebäuden mit Sandstein-Skulpturen, die eine Grünfläche umgeben. Ein Bautrupp sorgt dafür, dass der Zwinger ständig in Schuss ist – und immer ein Teil eingerüstet ist. Im Zwinger ist neben einer Porzellansammlung auch ein Mathematisch-Physikalischer Salon. Klares Ziel war für uns allerdings die Gemäldegalerie alter Meister. Denn die verspricht beeindruckende Kunst der vergangenen Jahrhunderte.

Hättest du gewusst, dass Raffaels sixtinische Madonna in Dresden hängt? Das ist das Bild, das tausendfach auf Postkarten gedruckt ist – wenn nicht im Ganzen, dann mit den beiden kleinen Engeln am unteren Bildrand. Bemerkenswert sind auch die Stadtpanoramen von Bernardo Bellotto, bekannt als Canaletto, der Dresden super-realistisch im 18. Jahrhundert festhielt – nach diesem Vorbild wurden Teile der Altstadt wohl wieder aufgebaut. Auch einen Blick aufs Schokoladenmädchen des Künstlers Jean-Étienne Liotard solltest du werfen. Es ist ein beinahe ikonisches Bild für die Dresdner, das von der Porzellanmanufaktur Meissen adaptiert wurde. Das Schokoladenmädchen gilt als „Das schönste Pastell, das man je gesehen hat“ – eine Postkarte davon musste deshalb zur Erinnerung an den Ausflug nach Dresden daher auch mit. Details zu einigen der im Zwinger gezeigten Werke findest du hier.

Tag 2: Einmal über die Brücke in die Neustadt

Für Laien wie mich teilt sich Dresden erstmal in zwei Teile: Alt- und Neustadt, getrennt durch die Elbe und verbunden durch mehrere Brücken. Natürlich gibt es noch viel mehr Stadtteile und Details, doch diese beiden liegen nahe. Während wir am ersten Tag besonders in der Altstadt unterwegs waren, ging es am zweiten Tag über die Brücke auf die wilde Seite. Denn die Neustadt ist jünger, urbaner, belebter. Erinnert fast an Berlin mit den besonderen Hinterhöfen samt kleiner Shops und fancy Restaurants mit internationaler Küche.

Den Tag mit Eierschecke beginnen

Dresden ohne Eierschecke? Schwer vorstellbar, denn diesen Kuchen gibt es überall. Mal als Blechkuchen, mal aus einer Springform, immer mit einer Quarkschicht und einer fluffigen Eier-Masse. Manchmal gibt es noch einen Boden aus Mürbeteig dazu, manchmal auch eine fruchtige Füllung etwa mit Rhabarber. Mit dem besten Rezept seiner Oma wirbt der Macher vom Dresdner Kaffeestübchen in der Salzgasse – und das zu Recht, finden wir. „Das ist die beste Eierschecke, die ich jemals gegessen habe“, sagte der Sachse von uns. Und er habe schon viele Eierschecken gegessen, daher will das was heißen. Und auch wenn es für mich eine Premiere war, muss ich sagen: schmeckt. Richtig gut sogar! Sehr fluffig und cremig, dieser Kuchen mit Pudding. Der Macher erklärte uns, dass er zwei Stunden Zeit in so einen Kuchen investiert – und viel Herzblut natürlich. Das Café in der Altstadt ist klein und fein. Es ist auch ein idealer Ausgangspunkt, um über die Carolabrücke gen Neustadt zu laufen.

Hier schlägt Dresdens urbane Herz: Kunsthof und Ramen

Einmal auf der anderen Seite, haben wir uns treiben lassen. Die Neustadt hat neben einer Einkaufsstraße, die von der Augustusbrücke und dem goldenen Reiter ausgeht, auch einen schönen historischen Kern mit kleinen, hippen Geschäften. Am Ende der Hauptstraße und nahe des Albertplatz ist übrigens das DDR-Museum. Nachdem wir uns darin die Lebenswelt nach 1945 angesehen haben, hatte ich Hunger und Lust auf Ramen – diese japanische Spezialität gibt es am Bodensee nämlich kaum zu essen. Die Alaunstraße bietet zahlreichen Restaurants Platz, das Ramen 1974 sieht nicht nur gut aus, sondern bietet auch köstliches Essen.

Zwischen Alaunstraße und Görlitzer Straße befindet sich die Kunsthof-Passage: Alte Häuser mit Hinterhof wurden vor etwa 20 Jahren kunstvoll neu gestaltet und bieten schönen kleinen Shops eine Fläche. Aufgeteilt ist das nach Motto, es gibt den Hof der Elemente, des Lichts, der Tiere,  der Fabelwesen und den Hof der Metamorphosen. Es gibt Gastronomie, Geschäfte und Ateliers, alle Infos zum Kunsthof hier. Ich habe mich zum Beispiel in die Illustrationen von Mai und Anhy verliebt – so hübsch und liebevoll gestaltet. Ich hoffe, dass ich hier bald eine Zeichnung bestellen kann, Stress und Corona haben hier leider ihr Tribut gefordert.

Tipp: Einfach mit offenen Augen durch die Straßen laufen, es finden sich viele schöne kleine Geschäfte und Graffitis.

Lohnt sich das DDR-Museum? Ein Blick in vergangene Zeiten

Im Obergeschoss eines Einkaufszentrums mit Edeka etc. findet sich „Die Welt der DDR„. Das Museum sieht auf den ersten Blick recht klein aus, die Sammlung ist aber ungeahnt umfangreich. Gezeigt werden die verschiedensten Bereiche eines Lebens in der DDR, angefangen mit dem typischen Trabi-Auto bis zu damaligen Wohnungen, Camping-Erfahrungen und Supermärkten. „Es war nicht alles schlecht“, heißt es so oft – nicht zuletzt von zwei alten Frauen, die bei unserem Besuch vor einer damaligen Konsum-Theke standen. Und das stimmt vermutlich, es war nur anders: Heute ist es unvorstellbar, viele Jahre auf ein Auto warten zu müssen. Auch in Wohnungen lange auf ein eigenes Telefon oder eine eigene Toilette verzichten zu müssen, ist sehr weit weg von unserem heutigen Alltag.

Für mich war das DDR-Museum interessant. Einige Dinge sind ähnlich wie in den Erzählungen meiner Eltern aus dem damaligen Westen, besonders wenn es um die Art der Einrichtung und einige Utensilien ging. Meine Oma hatte beispielsweise auch einen Entsafter und einen Tropfschutz an der Kaffeekanne. Viele Dinge waren aber auch ganz anders, weil sie in der DDR eben staatlich gesteuert wurden: Ob Omas Entsafter auch heute noch funktioniert, weiß ich nicht.

Der Eintritt kostet für Erwachsene sieben Euro.

Nachschlag gefällig? Die Altstadt Dresden bei Nacht

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