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Richtig bloggen: Warum gute Recherche so wichtig ist und wie sie funktioniert

Sich „Richtig bloggen“ auf die Fahne zu schreiben, kann auch nach hinten losgehen. Gibt es das richtige Bloggen überhaupt? Und vor allem: Gibt es das falsche? Bei Recherche kann auf jeden Fall so Einiges schief gehen, deshalb schreibe ich heute über Bedeutung und Funktionsweise von guter Recherche. Die Blogparade sehe ich übrigens als spannende Sammlung von allerlei Tipps. Tipps und Erklärungen zu Photographie, Affiliate, Media-Kit, Bloghelfern und Hilfe, um ein Kreatief zu umgehen. Weitere bisherige Beiträge findet ihr auf unserer gemeinsamen Facebook-Seite. Jetzt aber zur Recherche – ein Thema was für mich als Journalistin im Alltag eine entscheidende Rolle spielt.

Recherche vom französischen „recherche“ bedeutet (Nach-) Forschung, Untersuchung

Der Kern einer guten Recherche steckt bereits in der Wortherkunft: Bei Recherche geht es darum, ein Thema oder einen Sachverhalt zu ergründen.

Gute Recherche ÜberSee-Mädchen-6_2

Warum ist gute Recherche so wichtig?

Ob persönliches Tagebuch oder professioneller Blog mit tausenden Lesern: Blogger vertreten mit ihren Beiträgen öffentlich einen Standpunkt, daher sollten Inhalte gut überlegt sein. Und gut recherchiert, das heißt überprüft. Trotz Meinungsfreiheit ist jeder der Wahrheit verpflichtet und niemand profitiert von Gerüchten und Halbwahrheiten. Im Gegenteil: Wer schlecht recherchiert, riskiert nicht nur seinen Ruf und Anerkennung, sondern kann im schlimmsten Fall wegen Verleumdung Post vom Anwalt bekommen. Blogger gehen selten mit so heiklen Fällen um, doch gerade bei Themen wie missglückten Kooperationen ist Fingerspitzengefühl gefragt.

Recherche gehört zu jedem Blogbeitrag und reicht von der Idee bis zur Umsetzung, auch die Suche nach Inspiration lässt sich als Recherche sehen. Und für eine gute Recherche sind einige Punkte zu beachten.

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Wie funktioniert gute Recherche?

  • Informationen sammeln. Das Thema ist gefunden? Dann haut in die Tasten und erkundigt euch, was andere bereits darüber geschrieben haben. Bildet euch eure Meinung und geht ihr nach. Am einfachsten geht das im World Wide Web per Google-Suche, auch Wikipedia liefert erste Anhaltspunkte. Wichtig ist, sich nicht mit ersten Ergebnissen zufrieden zu geben, sondern ins Detail zu gehen. Eine gute Seite für eine erste Inspiration ist Genios, eine Pressedatenbank für jedermann. Die einzelnen Beiträge dort können zwar kostenpflichtig sein, doch einen Überblick liefern sie auf jeden Fall. [Hier] gibt es übrigens mehr Tipps zur Internet-Recherche. Blogs sind als Quellen mit Vorsicht zu genießen, denn eine gute Recherche ist nicht garantiert. Bei Food-Blogs und Rezepten ist das meist wenig relevant, bei Erklärtexten mit Hintergrund-Informationen aber umso mehr. Je heikler das Thema, desto mehr Informationen solltet ihr einholen – das Thema bestimmt die Vorgehensweise. Auch Bücher können übrigens sehr gute Quellen sein, denn Buchautoren haben sich in der Regel über einen langen Zeitraum mit dem Thema auseinandergesetzt. Eine Veröffentlichung auf Papier hat meist mehr Gewicht als Zeilen im Internet, deren Rechercheweg nicht einsehbar ist. Buchautoren haben beispielsweise auch ein  Quellenverzeichnis.
  • Einseitigkeit vermeiden. Im Journalismus gilt es, immer mindestens zwei Seiten zu Wort kommen zu lassen. Was wäre eine Anklage ohne Verteidiger? Das gilt auch für Blog-Beiträge. Bei Meinungs-Beiträgen, und dazu zählt schon die Vorstellung eines Nagellacks, seid ihr eventuell die zweite Seite, indem ihr euren Blickwinkel wiedergebt. Dieser unterscheidet sich meist mit der pressewirksamen Aussage des Unternehmens, hier habt ihr die zwei Seiten. Habt ihr bei einer anderen Bloggerin beispielsweise gelesen, dass der Pinsel eine Fehlproduktion ist, könnt ihr ihre Meinung in euren Beitrag integrieren und so einen neuen, interessanten Blickwinkel hinzufügen. Am besten informiert ihr die entsprechende Bloggerin über die Verwendung ihrer Meinung, bei Bildern ist das Urheberrecht zu beachten. Wieder gilt: Je sensibler das Thema, desto mehr Fingerspitzengefühl ist gefragt. Da ihr Blogger und nicht klassische Journalisten seid, muss ein Beitrag nicht wertneutral, sollte aber nachvollziehbar begründet sein.
  • Ansprechpartner. Ihr seid mit dem Thema noch wenig vertraut, möchtet aber unbedingt darüber schreiben? Dann sucht euch einen Experten. Damit habt ihr nicht nur eine fundierte Expertenmeinung, sondern als positiven Nebeneffekt auch eine gute thematisch passende Verlinkung. Und ihr erspart euch einen Teil der aufwändigen Recherche, habt aber einen ansprechenden Beitrag für euren Blog. Facebook ist eine Möglichkeit, um mögliche Experten zu finden und zu kontaktieren. Auch Facebook-Gruppen wie die Blogger Lounge eignen sich für erste Meinungen, eventuell eine Umfrage. Vor einer Anfrage solltet ihr euch deren Internetpräsenz ansehen: Ist derjenige der Experte, der er zu sein scheint? Wenn der aktuellste Blogbeitrag bereits Wochen her ist und er kurze, oberflächliche Beiträge präsentiert, eher nicht. Für weniger private Themen empfehle ich offizielle Ansprechpartner, die gegebenenfalls einen fachkundigen anderen Ansprechpartner empfehlen können. Wichtig ist dabei, den ersten Schritt zu wagen: Ämter sind in der Regel auskunftspflichtig und helfen gerne, wenn man Ihnen einige Tage Zeit lässt. Für Statistiken könnt ihr beispielsweise das Statistische Landes- oder Bundesamt kontaktieren. Zahlen und Fakten unterstreichen eine gute Recherche und tragen diese nach außen – wer sich mit Statistiken und mehreren Quellen auseinandergesetzt hat, muss sich ja fast auskennen.
  • Quellen angeben & Transparenz. Wer Quellen angibt, profitiert gleich mehrmals: Er zeigt und belegt seine gute Recherche, liefert seinen Lesern einen Mehrwert sowie Anknüpfungspunkt und erntet zugleich Sympathiepunkte. Nichts ist ärgerlicher, als eigene Inhalte auf fremden Blogs zu finden – wer seine Quellen konsequent angibt, verhindert solche Ärgernisse. Und das offenkundig, für jedermann sichtbar. Quellen sind für eine gute Recherche und jeden Blog sehr wichtig: Woher stammt das Rezept, woher stammt das Zitat, woher stammt die Information? Zeigt die Arbeit, die hinter eurem Beitrag steckt. Und honoriert die Arbeit Anderer. Am besten fragt ihr sie vor der Verwendung ihrer Aussagen oder Inhalte um Erlaubnis. Für Transparenz ist es wichtig offen zu legen, wenn ihr ein Produkt nicht zufällig erwähnt. Viele Unternehmen möchten das nicht, doch darauf solltet ihr bestehen. Zeigt, wenn ihr einen Pressetext übernehmt. Das ist für Ehrlichkeit und Authentizität entscheidend und gerade diese Eigenschaften machen Blogs so wertvoll.

Recherchieren mit Google Bildersuche

  • Urheber überprüfen. Urheberrecht gehört fast zu Quellen und Transparenz, aber eben nur fast. Ob bei Bildern oder Texten: Untersucht die Herkunft der Elemente, die ihr in eurem Beitrag nutzt. Das gehört zu den Informationen, die ihr sammeln und welche ihr nicht auf den ersten Klick übernehmen (und angeben) solltet. Die Google-Bildersuche schafft Klarheit, woher ein Bild eigentlich stammt. Dafür geht ihr bei google.de auf den Bilder-Bereich und klickt auf das Kamera-Symbol, das rechts im Suchfeld ist. Damit könnt ihr eine Bild-URL eingeben oder ein Bild hochladen, Google zeigt euch dann ähnliche oder gleiche Bilder. Falls ihr die Herkunft eines Bildes nicht nachvollziehen und den Urheber nicht ausmachen könnt, rate ich von einer Verwendung ab. Bildagenturen wie Fotolia oder GettyImages bieten für wenig Geld tolle Beispielbilder.

Meine Quellen für diesen Beitrag sind neben den verlinkten übrigens meine langjährig erfahrenen Kollegen. Ich spreche auch aus eigener Erfahrung aus fünfjähriger journalistischer Arbeit. [Hier] findet ihr übrigens eine kurze Zusammenfassung guter Recherche, für Kinder aufbereitet aber dennoch hilfreich.

Zu einer guten Recherche gehört für Blogger heute auch die Ergründung der eigenen Zielgruppe und damit einhergehend der entscheidenden Keywords, um Aufmerksamkeit zu erregen. Hier hilft euch vielleicht Bellas Beitrag zu Suchmaschinenoptimierung weiter.

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5 Kommentare

  • Antworten
    TanjasBunteWelt
    4. Februar 2015 um 10:46

    Toller Beitrag, Recherche ist immer wichtig. Klar kann man sich da auch mal verzetteln ;-) sollte aber dann richtig gestellt werden. Mit den Bildern bin ich schon ganz vorsichtig, man weiß ja nie.
    LG Tanja

  • Antworten
    Carina
    4. Februar 2015 um 13:35

    Hallöchen! Erst ein mal ganz toller Beitrag!
    Ich kann es verstehen, wenn man arbeitsmäßig sehr eingespannt ist, besonders wenn man Journalistin ist, wie du sagtest. Daher finde ich es besonders toll, dass du so einen ausführlichen Beitrag geschrieben hast! Aufgebaut ist er ja ähnlich wie meiner, daher besonders sympathisch :) bei mir ging es um den Kontakt, warum er unter Bloggern so wichtig ist und wie man das macht (man erkennt ein Schema, nicht? :D). Danke für die tolle Einsicht in die Welt der Recherche! Ich hab am meisten Probleme mit der Ausarbeitung meiner Beiträge und dein Beitrag hat mir sehr geholfen.

    Liebe Grüße!

  • Antworten
    Klaus-Peter
    5. Februar 2015 um 08:44

    Ein schöner Artikel, der zeigt, dass auch Blogger das „journalistische Handwerkszeug“ brauchen ;-)
    Bei „Genios“ kommen allerdings kostenpflichtige Artikel – aber schon die Überschriften können Anregung sein.

    Man kann erkennen, wie stark ein Thema in der Presse vertreten ist. „Dummerweise“ habe ich dor mal nach meinem Projekt gesucht: Negativ…
    Von daher – und die Blogparade soll ja noch fortgesetzt werden – würde ich mir einen Artikel wie „Ein Thema/“Produkt“ in die Presse bringen“ wünschen.
    LG

    • Antworten
      ÜberSee-Mädchen
      8. Februar 2015 um 10:24

      Danke dir. Wie man ein Thema oder Produkt in der Presse platziert, wirst du bei mir nicht finden, das ist PR und nicht Journalismus ;) Danke für den Hinweis mit Genios, das passe ich noch an. Viele Grüße, Isabelle

  • Antworten
    Elila
    9. Februar 2015 um 15:56

    Danke für die Tipps, ich bin gerade im Urlaub im Hotel Schenna und spiele ernsthaft mit dem Gedanken einen eigenen Blog zu starten. Deine Tipps werde ich mir zu Herzen nehmen. LG

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